Esel

PDF | Print | E-mail

Rassebeschreibung 

 

 

Österreich Ungarischer Albinoesel

(weißer Barock Esel)

 

Seit mehr als 13 Jahren beschäftige ich mich mit dieser Eselrasse. Den Anstoss gab ein Film von Dr. Helmut Pechlaner in seiner  Doku Reihe Treffpunkt Natur. Ein Film über gefährdete Haustierrassen, einer der ersten Filme überhaupt, der diesem Thema gewidmet war.

Dabei wurden die weißen Esel vorgestellt, nurmehr eine handvoll existieren im Tierpark Herberstein und es werden dringend Tiere überall in Europa gesucht. Ich kannte zwei Stuten und das waren tatsächlich Tiere dieser Rasse. Zu den zwei Stuten kamen zwei Hengste aus dem Tierpark Herberstein. Einer davon, Amadeus ,lebt heute noch bei uns.

Durch intensive Suche des Nationalparks Neusiedlersee konnten später auch noch Tiere in Ungarn ausfindig gemacht werden. Heute bemühen sich in erster Linie Tiergärten und der Nationalpark Neusiedlersee um die Erhaltung dieser Rasse, wir sind einer der ganz wenigen privaten Erhalter.

 

 

 

Von dieser Rasse gibt es weltweit weniger als 80 Tiere. Sie sind mit ihrem fast weissen Fell und den wasserblauen Augen nicht nur attraktiv, sondern auch kunst- und kulturhistorisch bedeutsam. Esel, da denkt man gleich an zähe, anspruchslose Arbeitstiere, dem «Pferd» der armen Bevölkerungsschichten. Es gibt unter den vielen verschiedenen Eseln aber auch eine noble Rasse, nämlich den «Österreichisch-Ungarischen Albinoesel». Der Name ist allerdings nicht ganz korrekt. Albinos haben überhaupt keine Farbpigmente, dieser Rasse wurden jedoch nur bestimmte Farben weggezüchtet, weshalb sie jetzt ein hellgelbes Fell und blaue Augen aufweist. Man spricht bei solchen Mutationen von «Flavismus», richtigerweise müssten diese Esel also «Flavismus-Esel» genannt werden.

 

Helle Tiere als Lichtbringer

Viel schöner ist aber ihr zweiter Name: Barock-Esel. Diese Bezeichnung gibt ein Hinweis auf den kulturhistorischen Hintergrund der Rasse. Die schönen Tiere wurden nämlich im Zeitalter des Barock, also im 17. und 18. Jahrhundert, gezüchtet. In dieser lebenslustigen Epoche war man auf Helligkeit ganz versessen, was sich zum Beispiel auch in den Barockkirchen niedergeschlagen hat. Weisse Pferde galten im Barock als Lichtbringer und standen für das Gute schwarze Pferde symbolisierten hingegen Tod und Verderben. Während man Rappen als Zugtiere für Leichenwagen einsetzte, wurden der Kaiserkutsche der Habsburger jeweils die berühmten Lippizaner-Schimmel vorgespannt.

 

Barock Esel

Wer im Barock etwas auf sich hielt, besass also weisse Tiere. Zur Erbauung der besser gestellten Damen und Kinder wurden in der k.u.k-Monarchie Österreich-Ungarn sogar weisse Esel gezüchtet, eben die «Barock-Esel». Man kann sich gut vorstellen, wie zufrieden die ästhetisch anspruchsvollen Barockmenschen waren, wenn sie die kleinen Pinzessinnen und Prinzen in ihren akkurat angelegten Gärten mit weissen Eseln spielen sahen. Leider aber entsprachen die Esel bald nicht mehr dem Zeitgeschmack.

 

Praktisch verschwunden

Heute gibt es weltweit gerade noch ein paar Dutzend Barock-Esel in Österreich, Ungarn, Deutschland und einen Bestand in der Schweiz. Die Reproduktionsrate der Tiere ist gering: Nach einer Tragzeit von einem Jahr kommt jeweils nur ein Fohlen zur Welt. Mit gezielter Züchtung sollte es möglich sein, die Rasse auch noch für die nächsten Generationen zu erhalten.